Tipps und Tricks von Führungskräften

Vivien Sohn (VB) und Brigitte Breisacher (BB) beantworteten unsere Fragen im Rahmen des digitalTalk am 9. Februar 2022 sehr umfangreich. Die Session zum Thema Geschäftsführung war sehr lehrreich und inspirierend. Darum habe ich mich entschieden mit Ihnen ein paar Köstlichkeiten kurz und knackig zu teilen.

BB: Von Vorgesetzter gefordert und gefördert zu sein bedeutet persönlicher Wachstum und entwickelt Widerstandsfähigkeit.

BB: Sich seiner Kompetenzen, Vorliebe und Charakterzüge bewusst sein und diese möglichst viel im Beruf einsetzen.

BB: Das Zauberwort ist TUN! Die Alpnach Küchen AG, im Jahr 1999 gegründet, ist der Beweis dazu.  Sich auf den Weg machen, genau hinschauen und allenfalls die Route auskorrigieren.

VS: Positive Fehlerkultur unbedingt zulassen! 

VS: Keine Angst zu haben mal die Überhose anzuziehen und das Unternehmen am Puls zu fühlen. Mitarbeitende schätzen das Interesse an ihrer Arbeit und der enge Kontakt zu den Führungskräften. Sie sind das wertvollste Gut und das Herz einer Unternehmung. 

VS: Menschliche Führung und Kommunikation gewährleisten das Verständnis und das Vertrauen der Mitarbeitenden. Zielorientierung darf nicht verloren gehen. Prozessorientiert führen, jedoch leichte Abweichungen zulassen. Die Führungskraft kann noch so gut sein, wenn die Mitarbeitenden nicht abgeholt werden, sind die gewünschte Arbeitsleistungen und Qualität unmöglich zu erreichen. 

VS: Sich einfach getrauen! Sich überlegen was im schlimmsten Fall passieren könnte. Klar man könnte die Firma an die Wand fahren aber es dauert eine Weile bis dorthin. Aufmerksam bleiben und ehrlich zu sich selber sein. Falls es nicht geht: Massnahmen treffen wie z.B. sich Unterstützung holen oder im schlimmsten Fall sich komplett zurück ziehen. 

BB: Wenn das innere Feuer, das Wollen und die Freude, da sind, dann kann man sich das Können immer aneignen. Der Wille ist aber die Bedingung. Die übernahme einer Unternehmung soll keine Verpflichtung sein.

VS: Bei Bewerbungen wird die Frauenquote nicht betrachtet. Solang die Kompetenzen halbwegs zu der Stelle passen wird der Mensch eingeladen. Die gut qualifizierten Mitarbeitenden sind sehr begehrt und meisten schon weg vom Markt. Das beste Gespräch und die bestmöglich zutreffenden Fähigkeiten erhalten den Job, egal ob Mann oder Frau. Das ist Gleichberechtigung. Jeder wird gleich behandelt! Die weibliche Führung ist ein Zeichen und motiviert vielleicht weitere Frauen sich für diese Branche zu interessieren und einzusteigen.

BB: Vertrauen schenken und Verantwortung befähigen. MitarbeiterInnen bei Entscheidungen einbinden.

BB: Keine Rückmeldung ist ein gutes Zeichen. Bei Fehler gibt es eine Rückmeldung und aus dieser muss gelernt werden.

VS: Je nach Lebensphase und Wissenslücke sich die passende Unterstützung beiziehen.

VS: Fähigkeiten sind Fakten und unbestreitbar. Familienbündnisse müssen zweitrangig bleiben und kein Schatten auf die Kompetenzen werfen. 

VS: Größter Wandel bei Führungsübernahme: Personalführung, Verantwortung und Umgang mit diesen. 

BB: Größter Wandel bei Führungsübernahme: ernst wahrgenommen werden trotz unterschiedlichem Führungsstil zur abtretender Generation. ChefIn sein ist nicht nur eine grosse Klappe zu haben, sondern Umsetzungen gewährleisten und die Verantwortung übernahmen. 

BB: Unternehmenswerte ganz klar als Vorbild ausleben.

BB: Mitarbeitenden ein prioritären Stellenwert erteilen. Sie sind keine Nummer sondern ein Mensch mit seinen Stärken, Schwächen und eigenen Charakteren. Die Herausforderung liegt darin diese viele Einzigartigkeiten in Einklang zu bringen und gemeinsam in dieselbe Richtung zu ziehen. Lösungsansatz ist definitiv bei einer ehrlichen und respektvollen Kommunikation. 

BB: Mein Führungsleitsatz: Miteinander sind wir stark und begeistern unsere Kunden.

BB: Die vier Mitglieder der Geschäftsleitung; Technischer Geschäftsleiter, Finanzleitung, Verkaufsleiter und Geschäftsleiterin, tagen einmal in der Woche einer Stunde. Es gibt eine Traktandenliste und Aufgaben werden für die folgende Woche eingeteilt. Pendenzen werden abgearbeitet und man hat sich auf die Sitzung vorbereitet. Das Protokoll wird während der Sitzung live mitgeschrieben. Schlagfertig sein bedeutet schnell auf Probleme eingehen und schnell agieren.

VS: Im Umbruch braucht es eine Findungsphase. In der aktuellen Geschäftsleitung wird jede Abteilung vertreten: Holzhausbau, Innenausbau, Umbau & Sanierung, Betrieb & Logistik und Führungskräfte. Wir treffen uns wöchentlich. Materialverfügbarkeit und Ressourcen werden jeden Morgen überprüft und besprochen. Sonstige Sitzung sind je nach Bauvorhaben und Bedarf eingeteilt. 

BB: Vor einigen Jahren haben wir die Lean Philosophie eingeführt. Morgendliche express Sitzungen (fünf Minuten), sogenannten Shopfloor, beschleunigt den Informationsfluss von Produktion über Arbeitsvorbereitung und Verkauf hinauf in die Führung. Fünf KPI (Key Performance Indicator) werden eingepflegt und es kann direkt auf ungeplantes reagiert werden.
1. Gruppe 6 h 45: Teamleiter mit ihren jeweiligen Produktionsgruppen. 
2. Gruppe 7 h 45: alle Teamleitern gemeinsam mit der technischen Geschäftsleitung. 
3. Gruppe 8 h 30: Technische Geschäftsleitung, Arbeitsvorbereitung, Einkauf und EDV.
Es ist ein wichtiges Kontrollwerkzeug um die Unter- und Überlasten zu erkennen. Zusätzlich fördert es den Austausch und Lösungen werden Abteilungsübergreifend gesucht.  Die Einführung von solche einem Prozess ist langatmig und herausfordernd:
Stolperstein 1: wer verlässt seine Komfortzone gerne?
Stolperstein 2: wir haben das schon immer so gemacht, warum ändern? 
Stolperstein 3: bis anhin hat es ja immer gut funktioniert. 
Lösung: Teilprojekte einführen und Erfolgserlebnisse werden für sich selber sprechen. 

VS: Prozessmanagement wurde im Rahmen der Masterarbeit eingeführt. Die Sitzungen müssen sich noch auf diesen einpassen. Dafür braucht etwas Zeit, Energie und Geduld. 

BB: Eine Bedingung zu der Übernahmen der Firma war, dass alle Anteile und somit die Entscheidungsmacht in meinen Händen sind. Das Ziel davon ist, dass die Mitarbeitende nur eine Ansprechperson haben. Ein Abkommen mit der abtretender Generation ist: “ich rede dir nicht rein und du redest mir nicht rein”. 

VS: Bei Familienunternehmungen stecken zusätzlich zu der Übernahme noch extrem viele Emotionen drinnen. Es ist wichtig diese wahrzunehmen und Probleme aufzuklären. 

BB: Das ist der Unterschied zu einer Firma mit einem austauschbaren Management. Familienunternehmungen handeln mit ihrem persönlichen Geld und das bildet umsomehr emotionale Bindung.

BB: Das Wunderrezept für mehr Frauen in Holzbranche haben wir noch nicht gefunden. 

BB: Wir fördern das Handwerk in dem die beste EFZ Note des Kantons NW und OW ein Preisgeld aus der Breisacher Stiftung erhält. 

BB: Bei den Tätigkeiten mitgehen und die Teamdynamik von innen mitleben ist die absolut beste Grundlage um eine Nachfolge in Betracht zuziehen. Mindestens ein Jahr sollte mit der abtretender Generation gearbeitet werden, damit die über die Jahren gesammelte Erfahrungen erlernt wird. Das Zauberwort heisst immer noch TUN! 

VS: Ein Arbeitsumfeld zu bilden, wo die Mitarbeitende gerne arbeiten. Das passiert durch zielorientierte und wertschöpfende Arbeit in den Kernkompetenzen der Unternehmung. Unseren Kunden das beste Versprochene leisten und unsere Unternehmenswerte bei ihm vertreten. Unternehmung muss als Arbeitgeber und als Leistungsgeber bei den Arbeitnehmende sowie bei der Kundschaft attraktiv bleiben.

BB: Die Digitalisierung ist ein endloses, rasantes und kostenintensives Projekt. Es ist wichtig immer daran zu bleiben und sich passende Fachkräften beizuziehen. 

VS: Digitalisierung ist nicht nur EDV, der Mensch muss begleitet und einbezogen werden. 

VS: Führung übernehmen ist keine Glückssache, sondern sich weiterbilden und seine Erfahrungen sammeln. Das brennen für diese Aufgabe ist eine Bedingungen! Ansonsten hält man es nicht aus. 

BB: TUN TUN TUN ! 

Der STE wünscht bei der Anwendung dieses Wissen sehr viel Erfolg und Gelassenheit.