Ein Interview mit dem ehemaligen Präsidenten des STE Markus Meili

Als Präsident führte er von 2004 bis 2006 den STE. Markus (* 1968) absolvierte zuerst die Matura und anschliessend die Lehre als Zimmermann. Das Studium in Biel schloss er im Jahr 2000 ab. Nach dem Studium unterstützte er die Lignum bei ihrer Tätigkeit. Anschliessend zog es Markus zur EMPA, wo er unter anderem den Bereich Brandschutz und die Prüfungen der Brandsicherheit im Holzbau durchführte. Danach war er als Bauleiter in Zürich tätig, bevor er im Kanton Glarus bei der Dachdeckerei und Spenglerei Elmer + Blumer die Geschäftsführung übernahm und nebenbei Energetische Beratungen anbot. Um der nachfolgenden Generation die Fäden zu überlassen, zog er sich aus der Geschäftsleitung zurück und arbeitet jetzt im Sportfachgeschäft Tödisport in Glarus.

Was und wie hast du den STE vor deinem Präsidium wahrgenommen?
An der BFH in Biel habe ich den STE als Ehemaligenverein kennengelernt, welcher sich sehr gut für die Vernetzung unter den Holzbauingenieuren eignet. Für nach dem Studium ist es ein optimaler Rahmen, um sich mit den ehemaligen Mitstudenten zu treffen und sich auszutauschen. Vor meinem Präsidium war ich schon im Vorstand als Kassier tätig und kannte somit die Struktur und das Umfeld sehr gut. Zu der Zeit war ich bei der Lignum und fungierte dabei auch als Bindeglied zwischen der Lignum und dem STE.

Wie ist es dazu gekommen, dass du das Präsidentenamt beim STE übernommen hast?
Stefan Zöllig, der Präsident vor mir, wollte das Amt übergeben, um sich auf neue Herausforderungen zu konzentrieren. Dabei konnte ich es mir, im Gegensatz zu den anderen Vorstandsmitgliedern, zeitlich einrichten und habe so aus diesem Grund das Amt von Stefan übernommen.

Gab es einen Wandel beim STE während deiner Amtsperiode?
Während meiner Amtszeit gab es diverse Wandel beim STE. Der noch unter Stefan Zöllig eingeführte Wandel von einem Ehemaligenverein zu einem Berufsverband wurde durch uns weiterverfolgt und entsprechend fortgeführt. Die Mitgliederzeitschrift Lignarius wurde revitalisiert und als Sprachrohr und Infozeitschrift ausgebaut. Einen aufgezwungenen Wandel erfuhren wir in der Ausbildung mit der Veränderung des Systems von ursprünglich HTL zu FH und nun Bachelor. Diese Veränderungen machten den Kontakt zu potenziellen Neumitgliedern schwieriger.

Welche Meilensteine wurden während deiner Präsidentschaft im STE gelegt?
Während meinem Vorsitz haben wir uns als STE im Verband von Swiss Engineers (SE) als Fachgruppe stark etabliert und verwurzelt. Dank vielen starken Persönlichkeiten aus den Reihen des STE, wie zum Beispiel Reinhard Wiederkehr, Stefan Zöllig, Frederic Beaud und weitere, welche sich in verschiedenen Gremien des SE einbrachten oder nach wie vor einbringen und sich enorm engagieren.

Was gab es für grosse Herausforderung im Amt zu bewältigen?
Dies war stets die Frage, was müssen wir bieten, um für die Mitglieder attraktiv zu sein. Nur auf eine stabile Mitgliederbasis oder sogar eine tendenziell steigende, kann sich ein Verband aufbauen. So war stehts die Anforderung möglichst attraktiv für Mitglieder aber auch für potenzielle Neumitglieder zu sein. Die Attraktivität zu behalten oder zu steigern, benötigt Engagement und kreative Ideen vom Vorstand, die es umzusetzen gilt. Hierbei ist es einen Balanceakt zwischen der Kapazität der ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder und deren Unterstützungsbereitschaft. Ich denke hier haben wir bis jetzt aber immer einen guten Ausgleich gefunden, zumal die Vorstandsmitglieder nicht oft wechseln.

Hast du zu einer Amtszeit einige lustige Anekdoten oder schöne Erinnerungen, die dir einfallen?
Schön war, dass wir im Vorstand immer gut zusammengearbeitet haben und allen den «Karren» in die gleiche Richtung zogen. Auch die Unterstützung von der Geschäftsstelle des STE war immer wertvoll und brachte uns als Verband weiter.

Gibt es auch unschöne Erinnerungen, die du mit dem Präsidium in Verbindung bringst?
Die ehrenamtliche Tätigkeit vom STE sowie jene im SE sind unsere kostbare Freizeit, welche begrenzt ist. So sassen einem oft unerledigte Pendenzen im Nacken, welche noch auf Kosten der Freizeit abzuarbeiten waren.

Aus welchem Grund hast du das Amt als Präsidenten niedergelegt?
Durch die persönlichen Veränderungen, insbesondere meiner Kinder, hatte sich meinen Lebensmittelpunkt gewandelt und so musste die Freizeit neu eigeteilt werden. Aus diesem Grund zog ich mich aus dem Vorstand des Berufsverband STE zurück und engagierte mich mehr im SAC für das familiäre Angebot. So durfte ich das Amt als Präsidenten an Martin Graf weiterreichen.

Hast du für die Zukunft des STE einen Wunsch, Erwartung oder auch eine Hoffnung?
Die Öffentlichkeitsarbeit für Holz ist nach wie vor gefragt und ich würde mir wünschen, dass der STE sich hier vermehrt engagieren würde. In der breiten Bevölkerung sind die Vorzüge von Holz noch mässig vorhanden und leider sehr schwach verankert. Es sollte der Zeitpunkt kommen, an dem es als normal gelten würde ein Gebäude jeglicher Art in Holz zu realisieren und als aussergewöhnlich, wenn Beton oder Stahl zum Zuge kämen. Der Beton würde nicht verschwinden, sondern weiterhin im Tiefbau präsent sein.

Wo siehst du Schwierigkeiten und Risiken, die auf den STE zusteuern?
Ganz klar die Frage der Attraktivität für die Mitglieder, um keinen Mitgliederschwund zu erfahren und ob einen Teil der Energien in die Öffentlichkeitsarbeit gesteckt werden sollte. Hier gilt es einen Mittelweg zu finden, der möglichst allem gerecht wird.

Wo sieht du den STE in 10 Jahren?
Ich empfinde den STE als stark verwurzelt und breit abgestützt. So würde ich behaupten, dass er an einer ähnlichen erfolgreichen Stelle steht wie heute. Natürlich mit gewissen Weiterentwicklungen wie es jeder Verband erfährt und umzusetzen hat, für ein weiteres erfolgreiches Bestehen.

Wenn du ein Baum oder ein Holz wärst, welches ist dies und weshalb?
Definitiv eine Lärche «lacht». Eine Lärche gedeiht dort, wo es ihr am besten gefällt und ähnlich aufgestellt ist wie ich. Das Holz ist noch kein Hartholz, aber trotzdem sehr resistent und gilt ebenso als edles Holz. Auch sind Pausen wichtig und die Lärche gönnt sich jedes Jahr im Winter eine Pause und wirft sein Kleid ab. Dadurch ist sie stets im Wandel.

Wenn du eine Holzbearbeitungsmaschine wärst, welche wäre das und weshalb?
Ganz klar eine Motorsäge «lacht». Diese ist universell einsetzbar für Künstlerisches sowie auch beim Förster fürs Eingemachte. Beim Zimmermann darf diese auch nie fehlen beim Aufrichten als Retter in der Not, falls etwas nicht ganz passen sollte, wird es mit der Kettensäge passend gemacht. Löst unvorhergesehene Probleme und ist pflegeleicht, aber doch auch empfindlich und versagt ihren Dienst bei unsachgemässer Behandlung.

Ein Interview von Alois Räber vom März 2022.